Wie die Hitzewelle 2026 Landwirten zu schaffen macht

Wie die Hitzewelle 2026 Landwirten zu schaffen macht

Der Sommer 2026 geht mit mehreren extremen Hitzewellen und langen Trockenperioden in die Geschichte ein. Für die Landwirtschaft in Deutschland und weiten Teilen Europas hat das spürbare Folgen: Ernteausfälle, sinkende Erträge und wachsende wirtschaftliche Unsicherheit prägen die Saison. Landwirte gehören zu den ersten, die die Auswirkungen der Klimakrise unmittelbar am eigenen Betrieb erleben.

Sinkende Ernteerwartungen quer durch Europa

Bereits die Hitzewellen Ende Juni und die extremen Temperaturen Mitte Juli haben in weiten Teilen Europas Spuren auf den Feldern hinterlassen. Die EU-Kommission hat in ihrem Juli-Bericht die Ertragsprognosen für nahezu alle Kulturen nach unten korrigiert. Bei Wintergetreide verkürzte die Hitze die Kornfüllungsphase und führte vielerorts zu vorgezogenen Ernten, sodass die Erträge für Winterkulturen EU-weit um 1 bis 4 Prozent nach unten angepasst werden mussten.

Besonders stark betroffen sind Sommerkulturen. Für die gesamte EU-Getreideernte wurde die Prognose zuletzt um rund 9 Millionen Tonnen gegenüber der vorherigen Schätzung gesenkt, wobei vor allem Frankreich, Süddeutschland, Österreich, Polen und Ungarn zu den betroffenen Regionen zählen.

In Deutschland hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine Ernteprognose ebenfalls deutlich reduziert. Trotz einer leicht gestiegenen Anbaufläche werden nun noch 42,7 Millionen Tonnen Getreide erwartet – rund 1,4 Millionen Tonnen weniger als in der Prognose vom Juni und 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Grund für die Einbußen sind die extremen Temperaturen, die in vielen Regionen zu einer sogenannten Notreife führten: Die Pflanzen reiften vorzeitig ab und bildeten weniger sowie kleinere Körner aus.

Welche Kulturen besonders betroffen sind

Nicht alle Pflanzen leiden gleich stark unter Hitze und Trockenheit. Besonders anfällig sind Kulturen, die während der Blüte oder der Kornfüllung viel Wasser benötigen:

  • Weichweizen und Gerste leiden stark unter Hitze- und Trockenstress.
  • Mais zählt zu den am stärksten betroffenen Kulturen, da die Trockenheit sowohl die Bestäubung als auch das Wachstum erheblich beeinträchtigt.
  • Ölsaaten und Sojabohnen wurden ebenfalls mit niedrigeren Ertragserwartungen versehen.
  • Zuckerrüben, Körnererbsen und Ackerbohnen zeigen sichtbare Schäden, wie Bauernverbände berichten.
  • Grünland wächst unter den trockenen Bedingungen schlechter, was regional zu Futterknappheit für die Tierhaltung führen kann.

Die Auswirkungen fallen dabei regional sehr unterschiedlich aus. Während etwa Landwirte im Kreis Gießen mit einer unterdurchschnittlichen Ernte und Notreife beim Winterweizen kämpfen, fiel die Getreideernte in Rheinland-Pfalz laut Bauern- und Winzerverbänden trotz eines ungewöhnlich heißen und trockenen Jahres besser aus als zunächst befürchtet.

Wirtschaftlicher Druck auf die Betriebe

Sinkende Erträge treffen landwirtschaftliche Betriebe in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage. Zwar sind zuletzt die Erzeugerpreise für Weizen gestiegen, auch aufgrund der niedrigeren Ernteerwartungen, doch das kompensiert die geringeren Erntemengen für viele Betriebe nicht ausreichend. In Österreich zeigen die Deckungsbeiträge im Getreidebau für 2026 sogar negative Werte, was bedeutet, dass zu Weltmarktpreisen kaum kostendeckend produziert werden kann.

Die Folgen der schwächeren Ernte könnten sich mit einiger Verzögerung auch auf die Verbraucherpreise auswirken. Bei Brot und Backwaren sind moderate Preissteigerungen möglich, wenn Weizen knapper und teurer wird. Auch Fleisch- und Milchprodukte könnten sich verzögert verteuern, da Futtermittel wie Mais und Getreide teurer werden. Bei Obst und Gemüse aus dem Freiland sind regional deutlichere Preissprünge denkbar, sollten die Erntemengen gering ausfallen. Weil Lagerbestände, langfristige Lieferverträge, Importe aus Regionen mit besseren Ernten und der Wettbewerb im Handel dämpfend wirken, schlagen sich solche Erntever­luste jedoch meist erst mit Verzögerung und in abgeschwächter Form auf die Preise im Supermarkt nieder.

Landwirte als Betroffene der Klimakrise

Neben den unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen wächst in der Branche das Bewusstsein, dass es sich bei den wiederkehrenden Hitzewellen nicht um vorübergehende Wetterlaunen handelt. Landwirtschaftliche Fachmedien betonen, dass Intensität und Dauer der diesjährigen Hitzeperioden Ausdruck einer sich erwärmenden Erde sind. Landwirte zählen damit zu den ersten, die die Folgen der Klimakrise ganz direkt an ihrer wirtschaftlichen Existenz spüren – zugleich wird in der Debatte gefordert, dass sie sich stärker in den Klimaschutz einbringen, weil sie von dessen Fortschritten unmittelbar profitieren würden.

Fazit

Die Hitzewelle 2026 hat der europäischen und insbesondere der deutschen Landwirtschaft deutliche Ertragseinbußen beschert. Zwar fallen die Auswirkungen je nach Region und Kultur unterschiedlich stark aus, doch insgesamt zeichnet sich ab, dass Hitze und Trockenheit für landwirtschaftliche Betriebe zu einem strukturellen Risiko werden, das über eine einzelne Saison hinausreicht. Für die Branche bedeutet das: Anpassungsstrategien wie trockenheitsresistentere Sorten, verbesserte Bewässerungskonzepte und ein langfristiger Umbau der Anbauplanung dürften in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.


Quellen

Nach oben scrollen