Die deutsche Landwirtschaft befindet sich seit Jahrzehnten in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist deutlich zurückgegangen, während die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche je Betrieb gestiegen ist. Aus vielen kleineren Höfen wurden größere Betriebe, während andere Betriebe aufgegeben oder Flächen an weiterwirtschaftende Betriebe verpachtet haben.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass dieser Prozess auch 2026 noch nicht abgeschlossen ist. Die Agrarstrukturerhebung 2023 weist rund 255.000 landwirtschaftliche Betriebe mit insgesamt 16,6 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche aus. (Destatis)
Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland: Statistik seit 1990
Ein langfristiger Vergleich macht den Strukturwandel besonders deutlich. Die folgende Tabelle basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Bei der Interpretation der Werte ist zu berücksichtigen, dass sich durch die deutsche Wiedervereinigung ab 1991 die regionale Abgrenzung und damit die statistische Größenordnung erheblich verändert hat. (GENESIS-Online)
| Jahr | Landwirtschaftliche Betriebe | Landwirtschaftlich genutzte Fläche | Durchschnittliche Fläche je Betrieb |
|---|---|---|---|
| 1990 | 629.740 | 11,77 Mio. ha | ca. 18,7 ha |
| 1995 | 555.065 | 17,23 Mio. ha | ca. 31,0 ha |
| 1999 | 471.960 | 17,15 Mio. ha | ca. 36,3 ha |
| 2001 | 448.936 | 17,10 Mio. ha | ca. 38,1 ha |
| 2005 | 396.581 | 17,02 Mio. ha | ca. 42,9 ha |
| 2007 | 374.514 | 16,95 Mio. ha | ca. 45,3 ha |
| 2010 | 299.134 | 16,70 Mio. ha | ca. 55,8 ha |
| 2013 | 285.000 | 16,70 Mio. ha | ca. 58,6 ha |
| 2016 | 275.392 | 16,66 Mio. ha | ca. 60,5 ha |
| 2020 | 262.776 | 16,60 Mio. ha | ca. 63,1 ha |
| 2023 | 255.010 | 16,59 Mio. ha | ca. 65,0 ha |
| 2024 | 255.010* | 16,57 Mio. ha | ca. 65,0 ha |
* Für 2024 weist die Destatis-Zeitreihe bei der Betriebszahl denselben Wert wie 2023 aus; die landwirtschaftlich genutzte Fläche wird separat fortgeschrieben. Die Agrarstrukturerhebung 2023 ist die maßgebliche aktuelle Strukturerhebung. (GENESIS-Online)
Die historischen Werte zeigen einen besonders starken Rückgang der Betriebszahlen. Gleichzeitig blieb die landwirtschaftlich genutzte Fläche seit den 1990er-Jahren insgesamt vergleichsweise stabil. Dadurch erhöhte sich die durchschnittliche Betriebsgröße deutlich.
Wie viele Bauernhöfe gibt es 2026?
Für eine aktuelle Betrachtung sind die Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2023 besonders wichtig. Danach gab es in Deutschland rund 255.010 landwirtschaftliche Betriebe. Sie bewirtschafteten zusammen rund 16,59 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Im Durchschnitt entfielen damit rund 65 Hektar auf einen Betrieb. (Destatis)
Zwischen 2020 und 2023 sank die Zahl der Betriebe um rund 7.800 beziehungsweise etwa 3 %. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Betriebsfläche von 63 auf 65 Hektar. Destatis spricht von einer Fortsetzung des Strukturwandels hin zu weniger, aber größeren Betrieben. (Destatis)
Betriebsgrößen in Hektar: Wie groß sind deutsche Bauernhöfe?
Die Durchschnittsgröße von 65 Hektar darf nicht mit der typischen Betriebsgröße gleichgesetzt werden. In Deutschland existieren weiterhin sehr unterschiedliche Betriebsstrukturen.
Nach Angaben des BMEL hatten 2023 etwa 84 % der landwirtschaftlichen Betriebe höchstens 100 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Die größte Gruppe bildeten Betriebe mit 20 bis unter 50 Hektar. Gleichzeitig bewirtschafteten Betriebe mit mehr als 100 Hektar zusammen rund 63 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. (BMEL Statistik)
| Betriebsgröße | Bedeutung für die Struktur |
|---|---|
| unter 5 ha | sehr kleine Betriebe |
| 5 bis unter 10 ha | kleine Betriebe |
| 10 bis unter 20 ha | kleinere Betriebe |
| 20 bis unter 50 ha | wichtige Größenklasse, besonders viele Betriebe |
| 50 bis unter 100 ha | mittlere Betriebe |
| 100 bis unter 500 ha | größere Betriebe |
| 500 bis unter 1.000 ha | sehr große Betriebe |
| 1.000 ha und mehr | besonders großflächige Betriebe |
Dabei unterscheiden sich die Betriebsgrößen regional erheblich. In Süddeutschland spielen kleinere und mittlere Familienbetriebe traditionell eine größere Rolle. In Teilen Ostdeutschlands sind dagegen deutlich größere Landwirtschaftsbetriebe verbreitet.
Strukturwandel: Immer weniger, aber größere Betriebe
Der langfristige Trend lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Die Zahl der Höfe sinkt, während die durchschnittliche Fläche je Betrieb steigt.
1999 gab es nach der damaligen statistischen Abgrenzung noch knapp 472.000 landwirtschaftliche Betriebe. 2023 waren es rund 255.000. Gleichzeitig erhöhte sich die durchschnittliche Betriebsfläche von gut 36 Hektar auf rund 65 Hektar. (GENESIS-Online)
Der Strukturwandel hat verschiedene Ursachen. Dazu gehören unter anderem steigende Anforderungen an Technik und Investitionen, Veränderungen bei Preisen und Produktionskosten, der technische Fortschritt sowie die Altersstruktur der Betriebsinhaber. Wenn Betriebe aufgegeben werden, werden die frei werdenden Flächen häufig von anderen Betrieben übernommen oder gepachtet.
Das BMEL beschreibt ebenfalls, dass wachstumsorientierte Betriebe frei werdende Flächen übernehmen und ihre Produktionszweige ausbauen. Andere Betriebe werden beispielsweise im Nebenerwerb weitergeführt oder verändern ihre Produktionsausrichtung. (BMEL Statistik)
Entwicklung seit 2010 verlangsamt sich
Interessant ist die Entwicklung der vergangenen Jahre. Zwischen 2010 und 2020 ging die Zahl der Betriebe deutlich zurück. Von 299.134 Betrieben im Jahr 2010 waren es 2020 noch 262.776. Bis 2023 verringerte sich die Zahl weiter auf 255.010. (GENESIS-Online)
Destatis beziffert den durchschnittlichen Rückgang zwischen 2010 und 2013 auf etwa 4.700 Betriebe pro Jahr. Zwischen 2013 und 2020 lag der jährliche Rückgang bei rund 3.200 Betrieben. Von 2020 bis 2023 waren es durchschnittlich rund 2.600 Betriebe pro Jahr. Der Strukturwandel setzte sich damit fort, verlangsamte sich aber. (Destatis)
Landwirtschaftliche Betriebe nach Betriebsform
Nicht jeder landwirtschaftliche Betrieb ist auf dieselbe Produktionsrichtung spezialisiert. Die Agrarstrukturerhebung 2023 unterscheidet unter anderem Ackerbau, Futterbau, Gartenbau, Dauerkulturen und Veredlung.
| Betriebswirtschaftliche Ausrichtung | Betriebe 2023 |
|---|---|
| Ackerbaubetriebe | 90.210 |
| Futterbaubetriebe | 101.250 |
| Dauerkulturbetriebe | 16.910 |
| Veredlungsbetriebe | 12.680 |
| Gartenbaubetriebe | 5.290 |
| Pflanzenbauverbundbetriebe | 2.940 |
| Viehhaltungsverbundbetriebe | 4.330 |
| Pflanzenbau- und Viehhaltungsverbundbetriebe | 21.390 |
| Insgesamt | 255.010 |
Die Zahlen zeigen, dass Futterbaubetriebe und Ackerbaubetriebe einen großen Teil der deutschen Landwirtschaft ausmachen. Die tatsächliche Struktur ist allerdings regional sehr unterschiedlich. (Destatis)
Familienbetriebe weiterhin wichtig
Trotz des Wachstums größerer Betriebe sind Einzelunternehmen weiterhin die häufigste Rechtsform. 2023 wurden rund 217.800 landwirtschaftliche Betriebe als Einzelunternehmen geführt. Diese bewirtschafteten zusammen etwa 10,04 Millionen Hektar und damit durchschnittlich rund 46 Hektar je Betrieb. (Destatis)
Personen- und Kapitalgesellschaften sowie juristische Personen weisen dagegen im Durchschnitt deutlich größere Flächen auf. Bei juristischen Personen lag die durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2023 bei rund 460 Hektar je Betrieb. (Destatis)
Warum verschwinden kleinere Bauernhöfe?
Der Rückgang der Betriebszahlen bedeutet nicht automatisch, dass landwirtschaftliche Flächen verschwinden. Vielmehr werden Flächen häufig zusammengelegt oder von anderen Betrieben übernommen.
Ein wichtiger Faktor ist die zunehmende Mechanisierung. Moderne Landmaschinen ermöglichen es, größere Flächen mit vergleichsweise weniger Arbeitskräften zu bewirtschaften. Gleichzeitig können Investitionen in Maschinen, Stallanlagen, Digitalisierung und Umwelttechnik für kleinere Betriebe wirtschaftlich schwieriger zu stemmen sein.
Auch die Hofnachfolge spielt eine wichtige Rolle. Wenn keine Nachfolgerin oder kein Nachfolger vorhanden ist, kann die Aufgabe des Betriebes die Folge sein. Die bewirtschafteten Flächen werden anschließend häufig verpachtet oder von benachbarten Betrieben übernommen.
Strukturwandel seit 1990: Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Die Entwicklung lässt sich in einigen Kennzahlen zusammenfassen:
| Kennzahl | 1990 | 2023 |
|---|---|---|
| Landwirtschaftliche Betriebe | 629.740 | 255.010 |
| Landwirtschaftlich genutzte Fläche | 11,77 Mio. ha | 16,59 Mio. ha |
| Durchschnittliche Fläche je Betrieb | ca. 18,7 ha | ca. 65 ha |
| Entwicklung Betriebszahl | Ausgangswert | deutlich niedriger |
| Strukturtrend | viele kleinere Betriebe | weniger, größere Betriebe |
Der Vergleich zwischen 1990 und 2023 muss wegen der deutschen Wiedervereinigung mit Vorsicht interpretiert werden. Die starke Veränderung der Flächensumme zwischen 1990 und 1991 hängt wesentlich mit der Erweiterung des betrachteten Gebiets auf das wiedervereinigte Deutschland zusammen. (GENESIS-Online)
Für die langfristige Betrachtung ab Mitte der 1990er-Jahre ist der Trend jedoch eindeutig: Die Zahl der Betriebe hat sich deutlich reduziert, während die durchschnittliche Betriebsfläche gestiegen ist. Das BMEL weist darauf hin, dass sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit Mitte der 1990er-Jahre etwa halbiert hat, während die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche relativ konstant geblieben ist. (BMEL Statistik)
Fazit
Die Statistik der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland zeigt einen anhaltenden Strukturwandel. Ausgehend von mehreren hunderttausend Betrieben in den 1990er-Jahren ist die Zahl bis 2023 auf rund 255.000 gesunken. Gleichzeitig werden weiterhin etwa 16,6 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt.
Damit bewirtschaften heute deutlich weniger Betriebe eine insgesamt ähnlich große Fläche wie vor einigen Jahrzehnten. Die durchschnittliche Betriebsgröße ist entsprechend stark gestiegen. Dennoch bleibt die deutsche Landwirtschaft vielfältig: Neben sehr großen Betrieben gibt es zahlreiche kleine und mittlere Höfe, insbesondere Familienbetriebe.
Für die kommenden Jahre dürfte daher weniger die Frage entscheidend sein, ob sich der Strukturwandel fortsetzt, sondern wie sich Betriebsgrößen, Hofnachfolge, Pachtflächen, Spezialisierung und regionale Landwirtschaftsstrukturen weiter verändern.
Quellen und weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt – Landwirtschaftliche Betriebe und landwirtschaftlich genutzte Fläche, Zeitreihe
- Statistisches Bundesamt – Agrarstrukturerhebung 2023
- Statistisches Bundesamt – 255.000 Betriebe im Jahr 2023
- BMEL-Statistik – Betriebsstruktur und Entwicklung
- Statistisches Bundesamt – Landwirtschaftliche Betriebe nach betriebswirtschaftlicher Ausrichtung