Eine durchdachte Fruchtfolge ist ein wichtiger Baustein für stabile Erträge, gesunde Bestände und eine langfristig gute Bodenfruchtbarkeit. Welche Kultur nach welcher Vorfrucht angebaut werden sollte, hängt unter anderem von Nährstoffversorgung, Bodenstruktur, Unkrautdruck, Krankheiten, Schädlingen und dem verfügbaren Aussaat- und Erntefenster ab.
Der sogenannte Vorfruchtwert beschreibt dabei, welchen Einfluss eine Kultur auf die nachfolgende Hauptfrucht hat. Eine gute Vorfrucht kann beispielsweise Stickstoff hinterlassen, die Bodenstruktur verbessern oder Krankheits- und Unkrautdruck reduzieren. Eine ungünstige Vorfrucht kann dagegen Krankheiten fördern, die Aussaat verzögern oder die Wasserversorgung der Folgekultur beeinträchtigen.
Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen unterscheidet unter anderem zwischen Blattfrüchten, Halmfrüchten, Körnerleguminosen und Hackfrüchten und betont die Bedeutung einer ausgewogenen Kombination dieser Kulturgruppen.
Vorfruchtwert Tabelle 2026
Die folgende Übersicht dient als praxisorientierte Orientierung. Die tatsächliche Vorfruchtwirkung kann je nach Standort, Boden, Witterung, Erntetermin und Bewirtschaftung erheblich variieren.
| Vorfrucht | Typischer Vorfruchtwert | Häufig geeignete Folgefrüchte | Wichtige Aspekte |
|---|---|---|---|
| Kleegras | sehr hoch | Weizen, Gerste, Mais | hoher N-Effekt, Humusaufbau |
| Luzerne | sehr hoch | Weizen, Getreide | intensive Durchwurzelung, N-Nachlieferung |
| Ackerbohne | hoch | Winterweizen, Gerste | Stickstofffixierung, gute Bodenwirkung |
| Erbse | hoch | Winterweizen, Gerste, Raps | früh räumende Bestände möglich |
| Lupine | hoch | Wintergetreide | gute Durchwurzelung, N-Fixierung |
| Sojabohne | mittel bis hoch | Wintergetreide | relativ gute Vorfruchtwirkung |
| Raps | hoch | Winterweizen | gute Vorfrucht für Getreide |
| Kartoffel | hoch | Getreide | gute Bodenlockerung möglich |
| Zuckerrübe | mittel bis hoch | Winterweizen | spätes Erntefenster beachten |
| Mais | mittel | Winterweizen, Wintergerste | Erntezeitpunkt und Fusarium beachten |
| Winterweizen | gering bis mittel | Raps, Hackfrüchte | nicht zu häufig in Selbstfolge |
| Wintergerste | mittel | Raps, Hackfrüchte, Leguminosen | frühe Ernte ermöglicht Zwischenfrüchte |
| Roggen | mittel | Raps, Hackfrüchte | vergleichsweise anspruchslos |
| Hafer | mittel | Hackfrüchte, Getreide | phytosanitäre Aspekte berücksichtigen |
Der Vorfruchtwert ist nicht ausschließlich eine Frage der Stickstoffversorgung. Auch Durchwurzelung, Bodenstruktur, Ernterückstände, Humuswirkung, Erntetermin und Krankheitsdruck spielen eine Rolle.
Anbaupausen Tabelle für wichtige Ackerkulturen
Anbaupausen werden insbesondere dann wichtig, wenn Krankheiten oder Schädlinge mehrere Jahre im Boden beziehungsweise in Ernterückständen überdauern können. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft weist beispielsweise darauf hin, dass bei Weizen häufig zwei bis drei Jahre Abstand ausreichen können, während bei Futtererbsen deutlich längere Abstände erforderlich sind.
| Kultur | Orientierung für die Anbaupause | Besonderheit |
|---|---|---|
| Winterweizen | ca. 2–3 Jahre | Fruchtfolgekrankheiten beachten |
| Raps | meist 3–4 Jahre | Kohlhernie und Sclerotinia berücksichtigen |
| Futtererbse | 5–6 Jahre | Erbsenmüdigkeit vermeiden |
| Ackerbohne | mindestens 4–5 Jahre | Abstand zu anderen Leguminosen beachten |
| Lupine | ca. 4–6 Jahre zu Leguminosen | abhängig von Art und Fruchtfolge |
| Sojabohne | etwa 2–3 Jahre | Krankheiten und Standort beachten |
| Klee | häufig 3–5 Jahre | abhängig von Kleeart und Folgekultur |
| Luzerne | häufig 5–7 Jahre | Selbstunverträglichkeit beachten |
| Zuckerrübe | häufig 3–4 Jahre | Rübenzystennematoden und Krankheiten |
| Kartoffel | häufig 3–4 Jahre | Nematoden und Krankheiten berücksichtigen |
| Mais | standort- und krankheitsabhängig | nicht unbegrenzt in Selbstfolge |
| Gerste | meist 2–3 Jahre | Krankheiten und Ungräser berücksichtigen |
Die konkreten Abstände sind keine universellen Zahlen. Sie sollten an die vorhandenen Schaderreger, Sorten, Bodenbedingungen und die gesamte Fruchtfolge angepasst werden.
Getreide in der Fruchtfolge
Getreide nimmt in vielen deutschen Ackerbausystemen einen großen Anteil der Fruchtfolge ein. Problematisch kann jedoch ein hoher Anteil derselben Getreideart werden. Besonders bei Weizen können Krankheiten wie Fußkrankheiten, Halmbruch oder bestimmte Blattkrankheiten durch enge Fruchtfolgen begünstigt werden.
Eine klassische Möglichkeit besteht darin, eine Blattfrucht vor den Weizen zu stellen. Dazu gehören beispielsweise Raps, Ackerbohnen, Erbsen, Kartoffeln oder Zuckerrüben.
Gerade Körnerleguminosen können für nachfolgenden Weizen interessant sein, weil sie Stickstoff biologisch binden und bei geeigneter Bewirtschaftung einen positiven Vorfruchteffekt hinterlassen. Die Landwirtschaftskammer NRW führt beispielsweise Leguminosen und Kleegras als bodenverbessernde Kulturen auf.
Raps als Vorfrucht
Winterraps besitzt einen vergleichsweise hohen Vorfruchtwert für nachfolgenden Weizen. Seine intensive Durchwurzelung kann zur Bodenstruktur beitragen, während die frühe Ernte beziehungsweise der vergleichsweise frühe Erntetermin der nachfolgenden Kultur ausreichend Zeit für die Bestellung des Winterweizens lässt.
Gleichzeitig sollte Raps nicht zu häufig auf derselben Fläche angebaut werden. Bei der Fruchtfolgeplanung müssen insbesondere Krankheiten berücksichtigt werden, die Kreuzblütler betreffen. Eine zu enge Rapsfolge kann außerdem den Schädlings- und Krankheitsdruck erhöhen.
Ein wichtiger praktischer Punkt ist die Vorfrucht des Rapses selbst. Winterraps wird bereits im August ausgesät. Deshalb eignen sich insbesondere früh räumende Kulturen wie Wintergerste oder andere Kulturen, deren Ernte und Bodenbearbeitung rechtzeitig abgeschlossen werden können. Spät räumende Kulturen können dagegen das Aussaatfenster des Rapses gefährden.
Leguminosen: hoher Vorfruchtwert, aber lange Anbaupausen
Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und andere Körnerleguminosen können einen wichtigen Beitrag zur Stickstoffversorgung und zur Auflockerung getreidereicher Fruchtfolgen leisten. Gleichzeitig reagieren viele Leguminosen empfindlich auf eine zu enge Selbstfolge.
Erbsen
Bei Futtererbsen wird eine Anbaupause von etwa fünf bis sechs Jahren empfohlen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft weist ausdrücklich auf die geringe Selbstverträglichkeit der Erbse hin.
Auch die UFOP beschreibt Anbaupausen von fünf bis sechs Jahren als wichtig, um Erbsenmüdigkeit und damit verbundene Ertragseinbußen zu vermeiden.
Als Vorfrüchte kommen unter anderem Getreide, Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben infrage. Getreide ist häufig besonders interessant, weil die Ernterückstände und der geringere Stickstoffbedarf eine gute Ausgangssituation für die Erbse schaffen können.
Ackerbohnen
Bei Ackerbohnen empfiehlt die LfL eine Anbaupause von mindestens vier bis fünf Jahren. Auch hier sollte der Abstand zu anderen Leguminosen berücksichtigt werden.
Ackerbohnen können aufgrund ihrer Stickstofffixierung eine interessante Vorfrucht für nachfolgende Kulturen sein. Die LfL nennt im Durchschnitt eine biologische Stickstofffixierung von rund 170 kg N/ha und weist darauf hin, dass ein Teil des Stickstoffs der Folgefrucht zur Verfügung stehen kann.
Hackfrüchte als Vorfrucht
Zu den klassischen Hackfrüchten zählen insbesondere Kartoffeln und Zuckerrüben. Sie können durch ihre intensive Bodenbearbeitung und lange Vegetationszeit einen besonderen Platz in der Fruchtfolge einnehmen.
Kartoffeln können unter geeigneten Bedingungen eine gute Vorfrucht für Getreide darstellen. Bei Zuckerrüben ist dagegen das spätere Erntefenster zu berücksichtigen. Wird danach eine Winterung angebaut, müssen Bodenbearbeitung und Aussaat innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums erfolgen.
Hackfrüchte sind außerdem häufig mit einer intensiveren Bodenbearbeitung verbunden. Dadurch kann zwar eine gute Saatbettbereitung entstehen, gleichzeitig besteht bei ungünstigen Bodenbedingungen die Gefahr von Verdichtungen oder Strukturproblemen.
Vorfrucht und Stickstoffversorgung
Der Stickstoffeffekt einer Vorfrucht gehört zu den wichtigsten Gründen für die gezielte Fruchtfolgeplanung. Besonders Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Klee können mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden.
Die tatsächliche Stickstoffwirkung für die Folgefrucht hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die Biomasse, der Verbleib der Ernterückstände, Mineralisation, Bodenart, Witterung und die anschließende Bewirtschaftung.
Deshalb sollte die Angabe eines pauschalen Stickstoffbonus nicht mit einer garantiert verfügbaren Stickstoffmenge gleichgesetzt werden.
Vorfruchtwert und Bodenstruktur
Eine gute Fruchtfolge kombiniert Kulturen mit unterschiedlichen Wurzelsystemen. Tiefwurzelnde Pflanzen können andere Bodenschichten erschließen als flachwurzelnde Getreidearten.
Auch Zwischenfrüchte können die Fruchtfolge ergänzen. Die Landwirtschaftskammer NRW weist darauf hin, dass beispielsweise Ölrettich, Raps, Ackerbohnen und Lupinen aufgrund ihrer Durchwurzelung für die Unterbodenerschließung interessant sein können.
Damit kann eine abwechslungsreiche Fruchtfolge nicht nur die Nährstoffversorgung beeinflussen, sondern auch die Bodenstruktur, Wasseraufnahme und biologische Aktivität unterstützen.
Fruchtfolgeplanung nach Kulturgruppen
Eine einfache Grundstruktur kann beispielsweise so aussehen:
| Jahr | Kultur | Funktion in der Fruchtfolge |
|---|---|---|
| 1 | Raps | Blattfrucht, gute Vorfrucht für Weizen |
| 2 | Winterweizen | ertragsstarke Hauptfrucht |
| 3 | Wintergerste | Getreide mit frühem Erntetermin |
| 4 | Erbse | Leguminose, Stickstofffixierung |
| 5 | Winterweizen | Nutzung des Vorfruchteffekts |
| 6 | Zuckerrübe | Hackfrucht, Wechsel der Pflanzenfamilie |
Eine solche sechsjährige Abfolge ist lediglich ein Beispiel. Je nach Betrieb können beispielsweise Mais, Kartoffeln, Ackerbohnen, Silomais, Kleegras oder andere Kulturen sinnvoller sein.
Welche Vorfrüchte passen gut zusammen?
Grundsätzlich sollte die Fruchtfolge unterschiedliche Pflanzenfamilien und Kulturgruppen miteinander kombinieren. Eine typische Kombination kann beispielsweise aus einer Blattfrucht, einer anspruchsvollen Getreideart und einer weiteren Getreide- oder Sommerung bestehen.
Besonders interessant sind Kombinationen wie:
Leguminose → Winterweizen
Die Leguminose kann Stickstoff hinterlassen und die getreidereiche Fruchtfolge unterbrechen.
Raps → Winterweizen
Raps gilt als gute Vorfrucht für Weizen und ermöglicht einen Wechsel zwischen unterschiedlichen Kulturgruppen.
Wintergerste → Raps
Die frühe Gerstenernte schafft häufig ausreichend Zeit für die Aussaat von Winterraps.
Kartoffel → Winterweizen
Kartoffeln können unter geeigneten Bedingungen eine gute Ausgangslage für Getreide schaffen.
Zuckerrübe → Winterweizen
Auch Zuckerrüben können eine interessante Vorfrucht sein, wobei der Erntezeitpunkt und die Bodenbedingungen besonders wichtig sind.
Welche Fruchtfolgen sind problematisch?
Problematisch können insbesondere enge Selbstfolgen sein. Dazu gehören beispielsweise:
- Weizen nach Weizen über viele Jahre
- Raps in zu kurzen Abständen
- Erbsen nach Erbsen
- Ackerbohnen nach Ackerbohnen
- verschiedene anfällige Leguminosen ohne ausreichenden Abstand
- wiederholter Anbau verwandter Pflanzenfamilien
- Zwischenfrüchte mit Krankheiten, die auch die Hauptkultur betreffen
Dabei ist nicht nur die identische Kultur entscheidend. Auch verwandte Pflanzen können bei bestimmten Krankheiten als Wirt dienen. Deshalb sollte die Fruchtfolge nicht ausschließlich nach dem Schema „andere Kultur = kein Problem“ geplant werden.
Anbaupausen richtig berechnen
Bei einer Anbaupause von vier Jahren bedeutet die praktische Planung, dass zwischen zwei Anbaujahren derselben Kultur mehrere andere Kulturen liegen. Entscheidend ist deshalb, die Fruchtfolge über mehrere Jahre hinweg zu betrachten.
Beispiel Erbse:
Erbse → Weizen → Gerste → Raps → Weizen → Erbse
Hier liegen vier andere Hauptkulturen zwischen den beiden Erbsenjahren. Die konkrete Eignung hängt jedoch zusätzlich von den vorhandenen Krankheiten und den verwendeten Zwischenfrüchten ab.
Checkliste für die Fruchtfolge 2026
Bei der Planung einer Fruchtfolge sollten folgende Punkte überprüft werden:
- Welche Vorfrucht steht auf dem jeweiligen Schlag?
- Wie hoch ist ihr Vorfruchtwert?
- Welche Kultur soll im Folgejahr angebaut werden?
- Welche Anbaupause ist für diese Kultur erforderlich?
- Gibt es Krankheiten oder Schädlinge, die über Erntereste oder den Boden übertragen werden?
- Passt der Erntetermin der Vorfrucht zum Aussaattermin der Folgefrucht?
- Wie viel Stickstoff kann voraussichtlich aus der Vorfrucht nachgeliefert werden?
- Welche Wirkung hat die Vorfrucht auf die Bodenstruktur?
- Besteht ein erhöhtes Unkrautrisiko?
- Welche Zwischenfrucht passt zur Hauptfruchtfolge?
- Werden verwandte Pflanzenfamilien zu häufig hintereinander angebaut?
- Ist die gesamte Fruchtfolge über mindestens fünf bis sechs Jahre ausgewogen?
Fazit
Vorfruchtwert und Anbaupause gehören zu den wichtigsten Werkzeugen einer nachhaltigen Fruchtfolgeplanung. Getreide profitiert häufig von Blattfrüchten wie Raps, Leguminosen, Kartoffeln oder Zuckerrüben. Leguminosen können durch ihre Stickstofffixierung einen hohen Vorfruchtwert besitzen, benötigen jedoch teilweise deutlich längere Anbaupausen.
Besonders deutlich zeigt sich dies bei Erbsen: Hier werden fünf bis sechs Jahre Abstand empfohlen. Bei Ackerbohnen werden mindestens vier bis fünf Jahre genannt.
Für 2026 gilt deshalb weiterhin: Nicht die einzelne Kultur, sondern die gesamte Fruchtfolge entscheidet über die pflanzenbauliche Qualität. Eine abwechslungsreiche Kombination verschiedener Kulturgruppen kann helfen, Nährstoffkreisläufe zu verbessern, Krankheits- und Schädlingsdruck zu reduzieren und die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Die Fruchtfolge in der Landwirtschaft
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Fruchtfolge
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Erbse – Fruchtfolge und Bodenbearbeitung
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Ackerbohne – Fruchtfolge und Bodenbearbeitung
- UFOP: Fruchtfolgewert von Körnerleguminosen