Wie selbstversorgend ist Deutschland bei Gemüse? Selbstversorgungsgrad & Importe 2026

Wie selbstversorgend ist Deutschland bei Gemüse Selbstversorgungsgrad & Importe 2026

Deutschland produziert große Mengen Gemüse – für eine vollständige Versorgung der Bevölkerung reicht die heimische Erzeugung jedoch bei Weitem nicht aus. Besonders bei Tomaten, Gurken und anderen wärmeliebenden Kulturen ist Deutschland stark auf Importe angewiesen. Gleichzeitig erreichte die deutsche Gemüseernte 2025 einen historischen Höchststand.

Wie abhängig Deutschland von ausländischem Gemüse tatsächlich ist, zeigen Selbstversorgungsgrad, Erntemengen und Importstatistiken.

Selbstversorgungsgrad bei Gemüse: Nur rund 39 Prozent

Der wichtigste Kennwert für die heimische Versorgung ist der sogenannte Selbstversorgungsgrad. Er beschreibt, welchen Anteil des inländischen Verbrauchs die deutsche Landwirtschaft rechnerisch aus eigener Produktion decken kann.

Nach den vorläufigen Daten für das Wirtschaftsjahr 2024/25 lag der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse in Deutschland bei 38,6 Prozent. Damit konnten rechnerisch nicht einmal vier von zehn verbrauchten Kilogramm Gemüse aus heimischer Produktion gedeckt werden. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Wert allerdings um gut einen Prozentpunkt.

Anders ausgedrückt: Deutschland ist beim Gemüse insgesamt deutlich importabhängig.

Wichtig ist dabei, den Selbstversorgungsgrad nicht mit einem simplen Verhältnis von „Produktion zu Importen“ gleichzusetzen. Die Versorgungsbilanz berücksichtigt unter anderem Produktion, Ein- und Ausfuhren, Bestandsveränderungen und den verfügbaren Verbrauch. Die offiziellen Daten werden von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bereitgestellt.

2025: Rekordernte bei deutschem Gemüse

Trotz der vergleichsweise niedrigen Selbstversorgung ist die deutsche Gemüseproduktion zuletzt deutlich gewachsen.

2025 wurden in Deutschland rund 4,5 Millionen Tonnen Gemüse geerntet. Das waren:

  • 8,1 Prozent mehr als 2024,
  • 13,2 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024,
  • und die höchste Gemüseernte seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1990.

Gleichzeitig wurde die Anbaufläche um 3,9 Prozent auf rund 131.700 Hektar ausgeweitet. Insgesamt bauten 2025 etwa 5.960 Betriebe Gemüse an.

Die Rekordernte zeigt somit eine interessante Entwicklung: Deutschland kann seine Gemüseproduktion steigern, bleibt wegen des hohen Verbrauchs und der starken Nachfrage nach bestimmten Kulturen trotzdem auf Importe angewiesen.

Welche Gemüsearten Deutschland besonders gut selbst produziert

Beim Selbstversorgungsgrad gibt es enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Gemüsearten.

Besonders gut sieht die Bilanz bei Kohl und bestimmten Wurzelgemüsen aus. Weiß- und Rotkohl erreichten im Wirtschaftsjahr 2024/25 zusammen einen Selbstversorgungsgrad von rund 113 Prozent. Deutschland produziert davon also rechnerisch mehr, als im Inland verbraucht wird.

Auch Möhren, Karotten und Rote Rüben schneiden vergleichsweise gut ab. Hier lag der Selbstversorgungsgrad bei rund 79 Prozent.

Bei solchen Produkten kann die heimische Landwirtschaft einen erheblichen Teil der Nachfrage decken. Teilweise ist Deutschland sogar Nettoexporteur.

Das Bild verändert sich allerdings drastisch, wenn man auf wärmeliebende Gemüsearten schaut.

Tomaten: Deutschland ist besonders importabhängig

Ein Extrembeispiel sind Tomaten.

2024/25 lag der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Tomaten lediglich bei 4 Prozent. Rund 96 Prozent des heimischen Verbrauchs konnten somit rechnerisch nicht aus deutscher Produktion gedeckt werden.

Das hat vor allem klimatische Gründe. Tomaten benötigen viel Wärme und Licht. Zwar werden sie auch in Deutschland in Gewächshäusern angebaut, eine ganzjährige Produktion zu konkurrenzfähigen Kosten ist jedoch schwierig.

Tomaten gehören gleichzeitig zu den beliebtesten Gemüsearten in Deutschland. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 entfielen auf sie knapp 28 Kilogramm pro Kopf beim rechnerischen Gemüseverbrauch – mehr als auf jede andere einzelne Gemüsegruppe.

Die Kombination aus hoher Nachfrage und begrenzter heimischer Produktion führt deshalb zu einer besonders hohen Importabhängigkeit.

3,6 Millionen Tonnen Frischgemüse importiert

Wie groß die Bedeutung des internationalen Handels ist, zeigen die Außenhandelsdaten.

Deutschland importierte 2025 rund 3,6 Millionen Tonnen Frischgemüse. Mehr als 90 Prozent davon stammten aus anderen EU-Mitgliedstaaten. Besonders wichtig waren Spanien und die Niederlande, die zusammen rund 1,3 beziehungsweise 1,2 Millionen Tonnen nach Deutschland lieferten.

Bei Lieferungen aus Nicht-EU-Staaten spielte Marokko eine wichtige Rolle. Von dort kamen 2025 rund 140.000 Tonnen Frischgemüse nach Deutschland.

Damit ist die deutsche Gemüseversorgung stark in den europäischen Binnenmarkt eingebunden.

Tomaten führen die Importstatistik an

Unter den importierten Frischgemüsen standen 2025 frische Tomaten mit rund 736.000 Tonnen an erster Stelle.

Das passt zur niedrigen deutschen Selbstversorgungsquote bei Tomaten.

Die Lieferketten sind dabei stark saisonal geprägt. Im Sommer kann Deutschland einen größeren Teil des Bedarfs mit heimischer Ware decken. In den dunkleren und kälteren Monaten gewinnen Importe aus Ländern mit günstigeren klimatischen Bedingungen an Bedeutung.

Spanien und die Niederlande als wichtige Lieferanten

Bei Gemüseimporten spielt die geografische Nähe eine wichtige Rolle.

Spanien ist aufgrund seines Klimas ein zentraler Lieferant für den europäischen Gemüsemarkt. Regionen wie Andalusien produzieren große Mengen Gemüse für den Export.

Die Niederlande verfügen dagegen über eine hochentwickelte Gewächshausproduktion. Moderne Produktionssysteme ermöglichen eine intensive Gemüseerzeugung auch unabhängig von den natürlichen Wachstumsbedingungen.

Für Deutschland bedeutet das: Ein erheblicher Teil des Gemüses kommt nicht aus weit entfernten Übersee-Märkten, sondern aus dem europäischen Binnenmarkt. Das reduziert Transportentfernungen und erleichtert eine kontinuierliche Versorgung.

Warum Deutschland trotz guter Landwirtschaft importieren muss

Die relativ niedrige Selbstversorgungsquote hat mehrere Ursachen.

1. Klima

Deutschland verfügt über eine begrenzte Vegetationsperiode. Wärmebedürftige Kulturen lassen sich deshalb nicht überall und nicht ganzjährig wirtschaftlich anbauen.

2. Hoher Gemüseverbrauch

Die Nachfrage ist groß. 2024/25 wurden in Deutschland rechnerisch rund 107 Kilogramm Gemüse pro Kopf verwendet.

3. Saisonale Nachfrage

Verbraucher erwarten viele Gemüsearten inzwischen das ganze Jahr über. Tomaten, Paprika, Gurken oder Zucchini sind auch im Winter im Supermarkt erhältlich.

4. Preis und Produktionskosten

Heimische Produktion ist nicht automatisch günstiger. Energie, Löhne, Gewächshausbetrieb und andere Produktionskosten können dazu führen, dass Importe wirtschaftlich attraktiver sind.

5. Unterschiedliche Spezialisierung

Nicht jede Gemüseart wird in Deutschland im großen Maßstab angebaut. Die Landwirtschaft konzentriert sich unter anderem auf Kulturen, die unter den hiesigen Bedingungen besonders gut funktionieren.

Selbstversorgung bedeutet nicht vollständige Unabhängigkeit

Der Selbstversorgungsgrad von 38,6 Prozent darf nicht so interpretiert werden, dass Deutschland nur zu 38,6 Prozent „mit Gemüse versorgt“ wäre.

Der Wert ist eine statistische Kennzahl innerhalb der Versorgungsbilanz. Er zeigt, welcher Anteil des Verbrauchs rechnerisch aus der deutschen Erzeugung gedeckt werden kann. Im internationalen Handel können gleichzeitig Gemüse exportiert und importiert werden.

Auch die unterschiedlichen Produktformen spielen eine Rolle: Die offiziellen Versorgungsbilanzen berücksichtigen nicht nur frisches Gemüse, sondern rechnen auch Verarbeitungs- beziehungsweise Industrieware in Frischgewicht um.

Die deutsche Gemüseversorgung 2026 im Überblick

Kennzahl Aktueller Wert
Selbstversorgungsgrad Gemüse 38,6 %
Wirtschaftsjahr 2024/25, vorläufig
Gemüseverbrauch pro Kopf ca. 107 kg
Gemüseernte 2025 ca. 4,5 Mio. Tonnen
Veränderung der Ernte 2025 +8,1 %
Gemüseanbaufläche 2025 ca. 131.700 ha
Frischgemüseimporte 2025 ca. 3,6 Mio. Tonnen
Tomatenimporte 2025 ca. 736.000 Tonnen
Selbstversorgungsgrad Tomaten 4 %
Selbstversorgungsgrad Weiß-/Rotkohl 113 %
Selbstversorgungsgrad Möhren/Karotten/Rote Rüben 79 %

Die Zahlen stammen überwiegend aus den aktuell verfügbaren Daten von BLE/BMEL und Destatis.

Wird Deutschland beim Gemüse unabhängiger?

Die jüngsten Daten geben zumindest teilweise Anlass für Optimismus. Die Gemüseernte ist 2025 auf einen neuen Rekord gestiegen, und auch der Selbstversorgungsgrad lag 2024/25 etwas höher als im Vorjahr.

Von einer vollständigen Selbstversorgung ist Deutschland jedoch weit entfernt.

Selbst wenn die heimische Produktion weiter wächst, bleiben Importe notwendig, solange Verbraucher ganzjährig ein breites Sortiment erwarten. Besonders bei Tomaten und anderen wärmeliebenden Kulturen dürfte die Abhängigkeit vom europäischen Ausland zunächst bestehen bleiben.

Gleichzeitig könnte der Klimawandel die Rahmenbedingungen verändern. Längere Vegetationsperioden können den Anbau bestimmter Kulturen begünstigen, während zunehmende Hitze, Trockenheit und Extremwetter neue Risiken für Erträge schaffen.

Fazit: Deutschland produziert viel Gemüse – aber nicht genug für den eigenen Bedarf

Die Antwort auf die Frage „Wie selbstversorgend ist Deutschland bei Gemüse?“ fällt eindeutig aus: Deutschland ist beim Gemüse deutlich auf Importe angewiesen.

Der aktuelle Selbstversorgungsgrad von 38,6 Prozent bedeutet, dass weniger als die Hälfte des rechnerischen Gemüseverbrauchs durch heimische Erzeugung gedeckt wird. Gleichzeitig erreichte die deutsche Gemüseernte 2025 mit 4,5 Millionen Tonnen einen historischen Rekord.

Besonders groß ist die Importabhängigkeit bei Tomaten: Hier deckt die deutsche Produktion nur etwa 4 Prozent des Verbrauchs. Bei Kohl oder bestimmten Wurzelgemüsen sieht die Situation dagegen wesentlich besser aus.

Deutschland ist deshalb weder vollständig von Gemüseimporten abhängig noch annähernd autark. Vielmehr basiert die Versorgung auf einer Kombination aus heimischer Produktion, europäischem Handel und saisonalen Importen aus Drittstaaten.

Quellen und weiterführende Informationen

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